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Lern mehr Akkorde (...und werde jeden Tag ein bisschen besser dadurch!)

Es ist eigentlich kein großes Geheimnis:
Um besser zu werden, muss man Dinge üben, die man (noch) nicht kann.


Es ist so simpel. Wenn du dich täglich mit Dingen auseinandersetzt, die neu für dich sind, die dir schwer fallen, die volle Konzentration von dir verlangen, wirst du besser. Nicht sofort, aber über einen bestimmten Zeitraum hinweg. Du musst nur dran bleiben.

Der Beginn


Als du angefangen hast, Gitarre zu lernen, hat dir wahrscheinlich irgendjemand einen Akkord gezeigt, E-Moll (oder was auch immer). Und zuerst fühlten sich deine Finger ganz komisch auf dem Griffbrett an. Es war vielleicht unangenehm, die Fingerspitzen so fest gegen die Saiten und das Griffbrett zu drücken. Es tat ein bisschen weh. Der Akkord klang nicht gleich richtig, weil du ein paar Saiten nicht zum klingen gebracht hast oder durch einen falschen Winkel der Hand die Leersaiten abgedämpft hast. Doch du hast es immer wieder versucht und nach ein paar Tagen (oder vielleicht auch etwas länger)... ...klang auf einmal der Akkord richtig schön!

Und dann hast du dich an einem zweiten und einem dritten Akkord versucht. Der Wechsel von einem Akkord zum nächsten war die nächste Herausforderung, aber auch das gelang – nach einiger Zeit und Übung – richtig gut. So konntest du deinen ersten Song spielen.


Heute ist ein E-Moll oder A-Dur für dich ein „einfacher“ Griff. Denk
mal an deine ersten Versuche zurück, wie schwer dir das alles vorgekommen ist! Mein Lieblingsbeispiel ist immer C-Dur oder G-Dur. Da muss man dann meist die Finger schon etwas mehr strecken und viele sagen dann: „Boah, das ist aber schwer!“ Aber auch hier passiert das selbe – mit etwas Zeit und Übung klappen diese Akkorde irgendwann „wie von selbst“ und werden jetzt zu den „Anfänger-Akkorden“ gezählt.

Das Ende der Lernkurve


Irgendwann hast du vermutlich aufgehört, neue Akkorde zu lernen. Mit deinem Repertoire an Pfadfinder-, Barré- und vielleicht (ein paar wenigen) Septakkorden kommst du nun durch die meisten Songs. Wenn ein verminderter Akkord (B°7) oder übermäßiger Akkord (C+) vorkommt – oder sonst irgendein Akkord, dessen Namen dich eher an eine chemische Verbindung erinnert als an Musik – spielst du den Song halt einfach nicht. Oder suchst dir eine „falsche“ Version der Akkordfolge im Internet zusammen, wo jemand, der den Akkord auch nicht kannte, ihn durch einen einfachen Dur- oder Moll-Akkord ersetzt hat. Klingt zwar nicht ganz richtig, wird aber schon keiner merken. Und nachdem du es 100-mal mit dem „falschen“ Akkord gespielt hast, klingt es für dich schon fast, als muss das so…

Und seitdem bist du vielleicht auch nicht mehr viel besser geworden auf der Gitarre. Auf jeden Fall, was die harmonische Seite der Akkordbegleitung betrifft. Oder?Aber wieso?!

Meine Frage ist: Warum hast du aufgehört, neue Akkorde zu lernen? Es ist die einfachste Art, jeden Tag ein bisschen besser zu werden auf deinem Instrument. Mit jedem neuen Akkord hast du die Chance, deine Griffbrett-Orientierung zu verbessern, deine Hände zu trainieren, neue Klänge kennenzulernen, neue Musik zu spielen oder zu selbst zu schreiben. Und das einfach nur dadurch, dass du einen neuen Akkord übst. Einen, den du noch nie gegriffen hast oder einen, von dessen Namen du nicht genau weißt, wie man ihn ausspricht. Einen, der dir so schwer vorkommt wie an dem Tag, als du die Gitarre das erste Mal in der Hand hattest. Einen, der dich fordert. Der dich als Musiker weiter wachsen lässt.

Leg los!

Es gibt so viele schöne Akkorde und Griffmöglichkeiten auf der Gitarre. Was hindert dich daran, jeden Tag einen neuen zu lernen oder wenigstens zu probieren. Wer weiß, wo dich die Reise hinführt?! Du brauchst dazu im Prinzip nichts weiter als ein bisschen Geduld, Freude am Neuen und den Wunsch, dich verbessern zu wollen.


Es ist egal, wie du es anstellst, aber leg los. Such dir einen Internet-Blog oder ein Youtube-Tutorial. Oder ganz klassisch: Ein Buch! Es gibt fantastische Akkordbücher und zwei kann ich dir sofort empfehlen:

(legendäre Akkordsammlung und Lehrbuch von einem der für sein Akkord-Spiel am meisten respektierten Jazz-Gitarristen)

(kein Lehrbuch, eher eine Sammlung der Lieblingsakkorde des Virtuosen Joe Pass. Es stehen keine Namen bei den Akkorden. Mit diesem Buch hat Gitarren-Gott Joe Satriani in jungen Jahren gelernt und einfach alle Akkorde auswendig gelernt.)

Und wenn dich der Aufbau von Akkorden, ihre Herkunft und die „komischen“ Namen interessieren, dann lohnt sich eine Harmonielehre. Hier meine 2 Lieblingsbücher:

(Fängt zwar auch „von vorne an“, aber hier hilft es, wenn man schon ein bisschen was weiß zum Thema. Geht sehr tief rein und vor allem in Richtung Jazz-Harmonik)

Aber das muss nicht sein. Wenn dich das nicht interessiert, musst du nichts über Musiktheorie wissen. Hauptsache du sperrst deine Ohren auf und nimmst die Klänge in dir auf. Lass Bilder in deinem Kopf entstehen, verbinde sie mit deinen Emotionen.

Alles was zählt, ist, dass du jeden Tag ein bisschen was Neues lernst. Und jeden Tag ein bisschen besser wirst. Was könnte da in einem Jahr – oder in 5 Jahren – mit dir passieren?

Analyse: Wenn der Wind weht

Ein guter Freund schickte mir den Tag einen YouTube-Link zu dem Song„Wenn der Wind weht“ in der Version der Comedian Harmonists und meinte, ich solle mal die tollen Harmonien auschecken.

Im Gegensatz zu moderner Popmusik kommen hier in kurzer Zeit relativ viele Akkordwechsel vor. Ein wunderbares Stück, um Griffwechsel zu üben! ;-)

Die Akkordfolge erscheint für das von moderner Popmusik geprägte Ohr eventuell etwas „überladen“. Manch einer mag beim Hören sogar an Jazz denken. Doch generell kann man sagen, dass das Stück sich in einem traditionellen harmonischen Rahmen bewegt, auch wenn es das enge Korsett der reinen Diatonik (= sich allein auf Akkorde der Dur-Harmonisation beschränken) entweicht.

Eine Funktion- und Stufenanalyse könnte so aussehen (hier in der Originaltonart der Comedian Harmonists):


Akkord

Bb

Bb7

Eb

Ebm

Bb/D

Bb

Fm/Ab

G7

Funktion

T

T7

S

s

T3

T

d3

Tp

Stufe

I

I7 (ZwD)

IV

iv

I3

I

v3

IV7(ZwD)



Akkord

C7sus4

Bb/D

Eb

F

D/F#

G7

C7

F7

Funktion

Sp7sus4

T3

S

D

ZwD 

ZwD7 

DD

D

Stufe

II

I3

IV

V

III3

V

VI7

V


Beachte, wie elegant sich der Bass vornehmlich in Quinten/Quarten oder eben Sekunden bewegt (C7sus4  Bb mit D im Bass  Eb  F  D mit F# im Bass ⇒ G7). Das ist ein Zeichen für ein gutes Arrangement, da hat sich jemand wirklich was dabei gedacht!

Die vermollte Subdominante (4. Akkord) ist nur eine harmonische Ausschmückung, die zum Einsatz kommen kann, wenn der Melodieton nicht die Terz ist.

Die letzten 4 Akkorde sind eine sogenannte Dominant-Kette und ergebenen einen wunderbaren Turnaround zurück zur Tonika.

Akkord-Melodie: Wenn der Wind weht

Zum Schluss zeige ich dir noch eine kleine Akkordstudie, die ich zu „Wenn der Wind weht“ geschrieben habe. Ich habe dazu das Stück von Bb-Dur in das gitarrenfreundliche E-Dur transponiert. Dadurch können einige Basstöne mit Leersaiten gespielt werden. Außerdem wird so der Tonumfang der Gitarre besser (und vor allem gut greifbar) ausgenutzt, denn immerhin bewegen wir uns hier vom tiefsten Ton bis zum höchsten Ton innerhalb von 3 Oktaven.


Selbst wenn du du mein Arrangement nicht von der ersten bis zur letzten Note spielen lernen möchtest, ist es äußerst lohnenswert, sich mit den einzelnen Akkorden auseinanderzusetzen, die ich hier verwendet habe. Ich bin sicher, dass du einige neue Griffe und – was fast noch wichtiger ist – neue Klänge dabei lernst.



In dieser Chord-Melody-Studie habe ich versucht, die wichtigsten Prinzipien guter Stimmführung (so gut es mir möglich war) umzusetzen. Von einem Akkord zum nächsten bleibt oft ein Ton liegen, die einzelnen Stimmen laufen gegensätzlich. Analysiere die Bewegungen der einzelnen Stimmen von Akkord zu Akkord, wenn dich Stimmführung interessiert!

Aufmeiner Patreon-Seite kannst du alle Noten/Tabs sowie Video-, Audio-und GuitarPro-Dateien zu meinen Workshops downloaden.

Viel Spaß beim Üben!

PS: Wenn du noch mehr Akkorde lernen willst, kannst du dir auch mal meinen Blog „Wie Akkordstudie schreiben? Kreativ sein mit Hotel California“ anschauen.

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PPS: Vielen Dank an meine Schülerin Charlotte. Ohne dich wäre der Text voller Rechtschreibfehler! :-)

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